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Die Mutter: Eltern können die Schule aktiv unterstützen

In ihrer Doppelrolle als Gewerkschafterin und Mutter will Sabine Daß, die im Hauptberuf bei ver.di arbeitet, ihre vielfältigen Erfahrungen in den Arbeitskreis „Schule und Arbeitswelt“ einbringen. In einer Hamburger Gesamtschule ist sie regelmäßig eine der MitakteurInnen beim spannenden wie lehrreichen Planspiel „Kunst des (Über-)Lebens“.

Knapp dreißig Mädchen und Jungen im Alter zwischen 14 und 15 laufen von Station zu Station, manche hektisch und überfordert, andere gelassen, wieder andere leicht resigniert. Was die SchülerInnen der Max-Brauer-Gesamtschule im Hamburger Stadtteil Altona an diesem Vormittag in den Bann zieht, ist ein Plan-, ja ein Rollenspiel. Es geht gewissermaßen um Alles beim von ver.di entwickelten Spiel „Kunst des (Über-)Lebens“ – einem von vielen Angeboten des Arbeitskreises „Schule und Arbeitswelt“ in Hamburg.

Das „richtige Leben“ als Rollenspiel

Sabine Daß ist aktive Gewerkschafterin, aber auch Mutter von zwei Kindern im Alter von 15 und 17 Jahren. Sie ist regelmäßig dabei, wenn an der Altonaer Gesamtschule „Personal“ für das Planspiel benötigt wird. Denn für vier, fünf Stunden findet hier im Kleinen das richtige Leben statt: Die Jugendlichen sollen spielerisch erfahren, wie sie das nötige Geld zum Überleben verdienen, welche Schwierigkeiten es im Job geben kann, aber auch, wo sie tatkräftige Unterstützung finden.

Eltern wie Sabine Daß schlüpfen in die Rolle der Arbeitgeber und treten den SchülerInnen möglichst so entgegen, wie es den Gepflogenheiten in den Betrieben entspricht. „Wir erleben regelmäßig, dass die Jugendlichen anfangs kaum Vorstellungen davon haben, was der Lebensunterhalt kostet. Sie wollen alles und übernehmen sich dann zunächst“, weiß Sabine Daß. Denn im Spiel können die Jungen und Mädchen anfangs ihren Lebensstandard frei wählen, anschließend müssen sie jedoch das Geld dafür verdienen. Das Planspiel sieht eine eigene Währung vor sowie eine Kontrollstelle, die nach jeder Spielrunde mit den SchülerInnen Probleme und Verbesserungsmöglichkeiten durchgeht.

„Gewerkschaftsstand“ im Spielparcours

Sabine Daß: „Relativ schnell machen die meisten TeilnehmerInnen Abstriche beim Lebensstandard.“ Regelmäßig zeige sich bei den Gesprächen aber auch, dass mancher der Jugendlichen sich bereits zu diesem Zeitpunkt auf den künftigen Bezug von Arbeitslosengeld einstellt. Der Gewerkschaftsstand, der ebenfalls zum Spielparcours gehört, gibt den meisten SchülerInnen erstmals die Gelegenheit, sich über Sinn und Zweck der Arbeitnehmerorganisationen zu informieren. „Kaum jemand hat vorher eine Ahnung, wozu Gewerkschaften gut sind“, sagt die engagierte ver.di-Mitarbeiterin.

Spielerischer Einstieg in die Berufswahlorientierung

Am Ende des Planspiels steht eine Auswertung. Die bisherigen Erfahrungen belegen, dass die Acht- oder Neuntklässler erheblich von diesem Angebot profitieren. Sabine Daß: „Das Planspiel stellt den Einstieg in die Berufs- und Lebensweltorientierung der Jugendlichen dar.“ Der spielerische Umgang mit echten Problemen erleichtere die anschließende Phase, in der durch ergänzende Angebote wie Stärkenanalyse, Beratung (in Kooperation mit der Arbeitsagentur oder Stadtteilinitiativen) und Praktika die Berufsfindung vorangebracht werde.

Neben der Altonaer Gesamtschule, die „Kunst des (Über-)Lebens“ regelmäßig bucht, finden sich jährlich in Hamburg weitere drei bis fünf Schulen, die das Planspiel einsetzen. Eine tolle Sache, findet Sabine Daß, gerade weil sich Eltern einbringen können und Schulen aktiv unterstützen. Nebenbei sehen sie die Probleme ihrer heranwachsenden Kinder aus einer anderen Perspektive, wenn sie ihnen als „Arbeitgeber“ entgegentreten.