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Der Betriebsrat: Chancengleichheit für alle schaffen

Gewerkschaftliche Themen gehören auch in die Schulen. Davon ist Betriebsrat Willy Heinzmann, der zu den Gründern des Arbeitskreises Schule und Arbeitswelt in Mannheim gehört, überzeugt.

Wie wichtig vielfältige Bildungsangebote gerade für Kinder aus so genannten kleinen Verhältnissen sind, hat Willy Heinzmann selbst erfahren: Dank seines eigenen Engagements, aber auch mit Hilfe der damals guten Förderung konnte der gelernte Industriekaufmann auf dem zweiten Bildungsweg das Fachabitur und anschließend ein Fachhochschulstudium absolvieren.
Heute ist Willy Heinzmann stellvertretender Betriebsratsvorsitzender beim Traktorenhersteller John Deere in Mannheim und Mitgründer des örtlichen Arbeitskreises Schule und Arbeitswelt. „Ausgangspunkt war die Einsicht, dass es wichtig und sinnvoll ist, wenn sich Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter an allgemeinbildenden Schulen engagieren“, sagt er. Über Kontakte zur Bildungsabteilung der IG Metall wurden Mittel für eine erste Fortbildungsveranstaltung mobilisiert, auch Ehrenamtliche aus anderen Gewerkschaften waren mit von der Partie.

GewerkschafterInnen gehen in die Schulen

Willy Heinzmann: „Vor etwa zweieinhalb Jahren wurde der Arbeitskreis bei unserem DGB-Regionsvorstand angesiedelt. Zu einer Auftaktveranstaltung, zu der die Einzelgewerkschaften eingeladen hatten, kamen 13 interessierte KollegInnen, die schließlich die praktische Arbeit in Mannheim und Ludwigshafen starteten.“
Wie auch in anderen Regionen gehen die Arbeitskreis-MitstreiterInnen regelmäßig in Haupt- und Realschulen und bieten dort für Acht- und Neuntklässer ein Planspiel an. In Mannheim und Ludwigshafen griffen sie ein Projekt der baden-württembergischen DGB-Jugend auf, das Planspiel „Ready – steady – go“. Dieses biographisch angelegte Planspiel kommt sowohl bei SchülerInnen wie bei LehrerInnen hervorragend an, und Willy Heinzmann, der regelmäßig den „Checkpoint“ beim Spielparcours betreut, stellt immer wieder fest, wie viel die Jugendlichen aus den verschiedenen Anregungen und Angeboten des Spiels für ihre reale Situation herausholen.
Daneben plant der Arbeitskreis derzeit einen Workshop, bei dem der Stellenwert von Bildung in der Metropolregion Mannheim/Ludwigshafen diskutiert werden soll. „Gerade wir als Gewerkschafter sollten das Thema besetzen, denn die Region zeichnet sich in erster Linie durch ihr Potenzial an Menschen aus – und für ihre Entwicklung ist Bildung zentral“, betont Willy Heinzmann. Derzeit lägen in dieser Gegend Baden-Württembergs die Zahlen der Abiturienten unter, die der Jugendlichen ohne Abschluss über dem Durchschnitt. Auch vor diesem Hintergrund lohne sich das bildungspolitische Engagement der Gewerkschaften in der Region besonders.

Ganztägige Gesamtschulen für mehr Chancengleichheit

Der langjährige Betriebsrat gehört nicht nur zu den Aktiven im Arbeitskreis Schule und Arbeitswelt. Seit langem arbeitet er zudem in den Verbänden „Gemeinnützige Gesellschaft Gesamtschule“ (GGG) und „Ganztagsschulverband. Gemeinnützige Gesellschaft Tagesheimschule“ (GGT) mit. „Wir sollten uns endlich an skandinavischen Modellen der Ganztags- und Gesamtschule orientieren“, meint Willy Heinzmann. In der Bundesrepublik hätten sich in den zurückliegenden Jahren die Bildungschancen von Kindern aus ärmeren Verhältnissen dramatisch verschlechtert. „Dabei handelt es sich oft um Kinder von Gewerkschaftern. Dieser zunehmende Zusammenhang von sozialem Status und Zugang zu Bildungsangeboten macht mich zornig. Schließlich wissen wir, dass die objektiven Voraussetzungen der Menschen zum Lernen, zum Bildungserwerb gleich sind.“
Diese Missstände abzubauen und die Diskussion über Bildungsfragen voranzutreiben ist Willy Heinzmanns zentraler Antrieb für sein Engagement.